Bericht einer Studienfahrt 2010:

Schüler des Kopernikus-Gymnasium besuchten Krakau und trugen sich in das Gästebuch   des neu eröffneten Museums in Oskar Schindlers ehemaliger Fabrik in Krakow / Polen ein

„Wir waren sehr beeindruckt und sind froh, dass wir in einer friedlicheren Welt leben dürfen. Hoffentlich lernen alle aus den Fehlern des 2. Weltkriegs. Schüler des Kopernikus – Gymnasiums Niederkassel“

Eintragung vom 05.10.2010 in einem Gästebuch – dem des neu eröffneten Museums in Oskar Schindlers ehemaliger Fabrik in Krakow / Polen.

Krakau ist eine Reise wert. Im 2. Weltkrieg unzerstört geblieben und zwanzig Jahre nach Ende des Kommunistischen Systems auch touristisch aufgewertet weiß die Stadt vor allem mit ihrer Geschichte zu fesseln – und ihren Geschichten, wie z. B. der des Wawel – Drachen, der die Königsburg über der Stadt bewacht oder die des jungen Nikolaus Kopernikus, der hier studierte.

Die Geschichte Krakaus ist vor allem die ihrer christlichen und jüdischen Einwohner insbesondere im Stadtteil Kazimierz, zu Deutsch Kasimirstadt. Hier lässt sich die Kultur der Angehörigen der einen Religionsgemeinschaft ebenso eindrucksvoll verfolgen wie die der anderen. Die Schüler der Leistungskurse Mathematik und Geschichte der 13. Jahrgangsstufe des Kopernikus – Gymnasiums interessierten sich besonders für die jüdische Kultur, die in ihren Bauwerken (Schächterei, Synagogen, Friedhof) lebendig ist, obwohl die deutsche Terrorherrschaft im Zweiten Weltkrieg ihre Bewohner das Leben kostete. Davon berichtet u. a. der Film „Schindlers Liste“, der in Krakau spielt und auch dort gedreht wurde. Ihn in Krakau anzusehen – die Fachlehrer Meinhard Dahmen, Georg Langen und Annika Reuter hatten einen Videoabend organisiert – und am Tag darauf die originalen Schauplätze zu besuchen, hat alle Fahrtteilnehmer tief beeindruckt.

Seltsam friedlich in der Herbstsonne und touristisch gut erschlossen wirkt das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz auf die Teilnehmer am nächsten Tag. Dann Berge von Schuhen und Menschenhaaren hinter Glasscheiben, Schusslöcher in der Mauer an einer Hinrichtungswand, Ruinen von Massenlatrinen, zu deren Benutzung den Insassen einmal am Tag eine Minute Zeit gelassen wurde, eine erhaltene Gaskammer (die übrigen sind gesprengt) und die unfassliche Zahl von mehr als einer Million Opfer aus ganz Europa, darunter auch Niederkassel – jeder braucht Zeit, die Diskrepanz zwischen Gegenwart und Vergangenheit persönlich zu sortieren. Dazwischen merkwürdig fröhlich wirkende junge Israelis, die auf der berüchtigten Rampe mit ihrer Fahne posieren wie anderswo Fußballfans am Stadion. Wieder eine andere Ebene und noch mehr Fragen – was ist davon zu halten?

Die jungen Niederkasseler haben sich entschlossen, darin ein gutes Zeichen für Vorwärtsgewandtheit und Optimismus zu sehen.

Viele Eindrücke und viele Fragen, die weiter tragen – eine Studienfahrt, wie sie sein soll, und an die zu erinnern sich noch in Jahren lohnen wird. Eine Frage jedoch duldet nicht bis dahin Aufschub, sie wollen alle Beteiligten noch vor ihrem Abitur in einem schulischen Anschlussprojekt klären: Was bringt Menschen dazu und was geht in Menschen vor, die bei derartigem Terror und so unglaublichen Verbrechen mitmachen, als wäre es das Selbstverständlichste von der Welt? Wer das für sich hat klären können, wird endgültig aus den Fehlern des 2. Weltkriegs gelernt haben.